Pestizid-Systemkrankheit: Weshalb punktuelle Verbote nichts bringen

Die medialen Berichterstattungen innerhalb der letzten Tagen über die Verbote von 12 Pestiziden durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) haben sich überschlagen. Weshalb wir trotzdem nicht in Jubel, Trubel und Heiterkeit verfallen liegt daran, dass einmal mehr Symptome und nicht Ursachen bekämpft werden.

Diskussion über einzelne Stoffe werden das Ziel verfehlen

12 Produkte mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen wurden vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) mit einer Frist von 12 Monaten vom Markt genommen. Eigentlich gute Neuigkeiten, zieht man die Fülle an Hiobsbotschaften in letzter Zeit in Betracht.  Weshalb wir diesen Vorgang trotzdem kritisch hinterfragen, möchten wir nachfolgend kurz ausführen.

Es sind nicht die einzelnen Stoffe, sondern die ganze Systematik des Pestizideinsatzes, die gigantische Risiken für Biodiversität und Gesundheit birgt. So haut es uns auch nicht vom Hocker, wenn unsere Schweizer Behörde die giftigsten aller Giftstoffe verbietet – die genannten Risiken werden damit langfristig kaum geschmälert.

So gibt es auch bei den besagten 12 Produkten und Inhaltsstoffen keine Garantie, dass sie nicht in einer chemisch leicht veränderten Form und unter komplett neuem Namen das Zulassungsverfahren für neue Pestizide erneut passieren werden. Als Erinnerung: Zur Prüfung der Zulassungsfähigkeit liefert der Chemiekonzern gleich auch die eigenen Gutachten und Studien mit, auf welcher der Zulassungsentscheid basiert. Als würde man VW seine eigenen Abgaswerte kontrollieren lassen – höchst dubios.

Unter diesen Gegebenheiten wird die Party in der chemischen Industrie zur Never-ending-story, der Champagner ist kaltgestellt. Es braucht deshalb einen grundlegenden Systemwandel und keine punktuellen Verbote, die jahrzehntelang hinterherhinken und sich im Kreis drehen – und genau da scheint die Politik einmal mehr zu versagen.

Mit den Volksinitiativen „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“ und der „Trinkwasser-Initiative“ stehen zwei Vorlagen im Raum, welche die Systematik ändern wollen – die Verantwortlichen im Bundeshaus lehnen beide ab. Trotz Protest von Umweltorganisationen. Trotz Klima-Streik. Trotz Forderungen ihrer Jungparteien. Einfach so – und wie es schein ohne Gegenvorschlag.

Bleibt dieser auch weiterhin aus, wird sich der besinnte Bürger hoffentlich für die eine oder andere Initiative entscheiden – denn mit den übrigen politischen Lippenbekenntnissen wird der notwendige Systemwandel keinesfalls stattfinden.