Kampagnenstart „LebenStattGift“ der Volksinitiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“

Anlässlich der Pressekonferenz vom 25.2. haben die Verantwortlichen der Volksinitiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“ ihre Informationskampagne „LebenStattGift“ lanciert. Gegengift-Präsident Thiébaud, der neu auch als Vorstand diese politisch unabhängige Initiative begleitet, berichtet aus erster Hand.

Der Bürger kann und soll entscheiden

Die Informationskampagne „LebenStattGift“ soll das Schweizer Stimmvolk auf die Tragweite der ausstehenden Entscheidung hinweisen und sensibilisieren, dass ein Pestizid-Verbot keine Frage des „Könnens“, sondern des „Wollens“ ist. Der für den Bereich Landwirtschaft zuständige Vorstand der Initiative, Jean-Denis Perrochet, selber Weinbauer mit jahrzehntelanger Erfahrung, ist neben vielen weiteren nachhaltig agierenden Landwirten der lebende Beweis.

Standpauke des Parademediziners

Von der medizinischen Fakultät Marseille, wohlgemerkt der ältesten in ganz Europa, hielt der jahrzehntelange Leiter der Pediatrie Prof. Charles Sultan eine flammende Brandrede über die gesundheitlichen Auswirkungen synthetischer Pestizide. Er bezeichnet den Status Quo gar als Verbrechen an der Menschlichkeit, in dem der Anspruch der Bevölkerung auf gesundheitliches Wohlergehen bewusst riskiert wird und wies auf die sog. „Erklärung von Marseille“ hin, in welchem über eine Million Franzosen die Regierung zu einer Richtungsänderung im Bereich der Pestizide aufforderten. Leider biete Frankreich nicht die direktdemokratischen Möglichkeiten der Schweiz, weshalb diese Erklärung aufgrund des unverbindlichen Charakters weitestgehend verpufft sei. Prof. Charles Sultan stellt sich als erfahrener Mediziner und als Kapazität im Bereich der Kindererkrankungen also aus wissenschaftlicher Sicht voll hinter die Forderung Initiative.

Angstmacherei von der Gegenseite

Die Gegner der Initiative, allen voran Bauernverband-Präsident Ritter, reagierten auf den Kampagnenstart mit der üblichen Angstmacherei: „Rund 20 bis 40%“ würden die Preise der Lebensmittel steigen und die Initiative gefährde die Versorgungssicherheit. Natürlich könnte das durchaus zutreffen, sofern Politiker wie Ritter in der vorgesehenen Übergangsfrist von 10 Jahren inaktiv bleiben. In diesem Zusammenhang möchten wir Herrn Ritter jedoch gerne an seine Verantwortung gegenüber dem Stimmvolk erinnern: Es ist Aufgabe der Politik, und damit auch von Herrn Ritter, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft innerhalb dieser 10 Jahren so zu mutieren, dass sowohl die Interessen der Landwirtschaft als auch diejenigen der Konsumenten berücksichtigt werden. Man drückt also auf einen wunden Punkt, den jedoch nicht die Initiative, sondern die Inaktivität der Politik zu verantworten hätte – sollte es denn wirklich soweit kommen.

Risiken sind abwendbar

Natürlich wird die Initiative nach unserer Einschätzung einen gesetzlichen Mutationsbedarf nach sich ziehen. Es ist selbsterklärend, dass eine Entscheidung von dieser Tragweite nicht ohne Adaption der restlichen Rahmenbedingungen getroffen werden kann. Aber genau hier wäre die Politik gefordert – und zwar nicht mit grundsätzlicher Ablehnung und Angstmacherei, sondern mit lösungsorientierten Ansätzen und Vorschlägen. Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie die politischen Exponenten ihre Rolle in Zukunft definieren werden und ob es bei den aktuellen panischen Alibi-Reaktionen bleiben wird.